von Stuckrad-Barre und Karasek lesen Kempowski
Ich konnte nicht anders, als meiner Mitbewohnerin einen Moment schlechten Gewissens zu bescheren. Es ist sich ja trotzdem vorteilig für sie ausgegangen.
“Wer ist Benjamin von Stuckrad-Barre? Hellmuth Karasek? Walter Kempowski? Nie gehört.” Ich klärte auf. Gern tat ich das. Wie man heutzutage überhaupt alles “gern” macht. Mit mahnender Haltung allerdings: hier seien noch Hausaufgaben zu machen, jenseits von Sex and the City. Von Stuckrad-Barre ist der Ex von Anke Engelke. Ob er Nils Ruf nachfolgte oder andersherum vermag selbst ich, als aufmerksamer Gala-Leser, im Nachhinein nicht zu rekonstruieren. Jedefalls hat dieser von Stuckrad-Barre eines meiner Lieblingsbücher geschrieben. Soloalbum. Harald Schmidt hat darüber gesagt, hätte er jemals ein Buch geschrieben, hätte er Soloalbum geschrieben.
Karasek bereicherte keinsewegs das Leben von Anke Engelke, nein, viel eher das literarische Quartett von Marcel Reich-Ranicki. Diesen Kempowski kannte ich voher auch nicht. Gesagt habe ich das aber nicht. Jedenfalls war das ein ganz lustig-ironisches Kerlchen, dieser Kempowski, wie sich schon im Vorwege der Veranstaltung, bei Durchsicht seines Tagebuchs “Somnia” am Büchertisch, verdichtete. Ich glaube, dass durchweg graumelierte Publikum kannte ihn ganz gut. Von Stuckrad-Barre war ihnen weitestgehend unbekannt. (Aber, das ist doch der Autor von Soloalbum! hätte ich da - fast ganz hinten sitzend - am liebsten eingegriffen.) Karasek erntete ein paar einfache Lacher. Gut, die sollte er kriegen.
Beide lesen die ausgewählten Kempowski Tagebucheinträge den ironisch-zynisch präzisen Beobachtungen gerecht vor. Da gab es nichts zu beanstanden. Am besten gefallen hat mir eigentlich der Eintrag “Wir sind zum Suppeessen eingeladen”, einem norddeutschen Understatement für die folgende Beschreibung eines 5-Gänge Menüs. Leider habe ich die weiteren Einträge nicht mitgeschrieben, so wie es die Frau neben mir tat. Sie wollte mir die Seiten ihres eng beschriebenen Notizblocks aber kopieren. Ich glaube, von Stuckrad-Barre kannte auch sie nicht. Der Name - in Großbuchstaben aufgeschrieben - war ihre erste Notiz. Gefolgt von 2 Fragezeichen.
admin :: Jul.15.2008 :: 04_Bücher, 02_München, 01_Home :: No Comments »

Deichkind - Luftbahn
