Im Jahr des Mettbrötchens
Nur mit einem Mettbrötchen versehen, mache ich mich für einen finalen Winterspaziergang in den Englischen Garten auf. Natürlich trage ich auch einen Wintermantel und Stiefeletten. Das alles, um am Chinesischen Turm – el chino, wie die Spanier sagen – im Verlaufe noch schnell das vergangene Jahr mit einem Glühwein runterzuspülen. Dabei hatte ich schon zuvor auf der Rückfahrt mit der Deutschen Bundesbahn zwischen Bremen und München eine interessante Ansage gehört: „Ein Glas frisch gezapftes Mineralwasser, im Bistro heute nur einen Euro Neunzig.“ Das Angebot war allerdings mit einer gewissen Einschränkung behaftet. In Wagen 27 büßte es seine Gültigkeit wegen einer defekten Zapfanlage ein. Wie schade. Ob es dort stattdessen ungezapftes Mineralwasser gab?
So kurz vor dem Jahreswechsel scheinen die Leute nicht nur mit Zapfanlagen, sondern auch in erheblichem Umfange Probleme mit Ihren Uhren zu haben. Jedenfalls stand ich heute beim Uhrenservice der Galeria Kaufhof in einer mindestens – ach was sage ich – doppelt so langen Schlange, wie man es von Samstagsausflügen zu H&M und Ikea kennt. Schnell noch mal Energie tanken, denken viele. Wäre doch auch zu schade, wenn es kurz vor dem Höhepunkt zum Stillstand kommt und das Silvester-Pikkolöchen geschlossen bleibt.
Dann überraschte mich heute noch diese Internetseite, auf der ich mich für einen 10 Kilometer Volkslauf anzumelden versuchte: „Kunden, die sich für diesen Lauf angemeldet haben, haben auch folgende Läufe gebucht“ stand da. Was soll das denn? Kündigt mir das etwa an, dass ich alle Läufer, die ich schon beim ersten Lauf an mir vorbeiziehen lassen muss, vier Wochen später beim nächsten Mal wieder sehen werde? Nein Danke. Dieses Vergnügen bereite ich diesen übermotivierten Damen und Herren Hobby-Volkslaufläufern nicht. Ich bin in vielen Bereichen mit einer leichten Tendenz zum Selbstzerstörerischen verwöhnt – was sich auch dieses Jahr wieder an den vielzähligen Besuchen von Bayern Heimspielen ablesen läßt – aber DAS muss ich dann ja doch nicht auf mich nehmen.
Nicht ganz uneigennützig allerdings nutze ich diese wertvolle Information quasi im Vorbeilaufen für neue Bekanntschaften, indem ich zu meiner hübschen und mit diesem unerhört lasziven Laufstil ausgestatteten Mitläuferin nebenan sage: „Sie haben doch auch diesen Lauf gebucht, dann gehören Sie sicher auch zu den 70 Prozent, die den Wallberglauf gebucht haben.“ „Ja“, sagt meine zukünftige Sexpartnerin. Und ich kann ihr nur noch ins Ohr flüstern: „Dann sehen wir uns ja schon in vier Wochen wieder. Wie schön! Mein Herz rast ja. Fühlen Sie mal.“ Und dann frage ich noch: „Haben Sie eigentlich Allergien?!“
admin :: Dez.31.2008 :: 02_München, 01_Home :: 2 Comments »
Deichkind - Luftbahn

meine allergien beschränken sich auf:
- warteschlangen an der köttbullar-ausgabe-theke
- meinen schwulen friseur, der mir an den hintern toucht
- nebensitzer an silvester, die nur über politik sprechen wollen
für 2009 wünsche ich mir mehr wasser aus zapfanlagen der deutschen bahn.
Ich finde, das ist eigentlich keine schlechte ausgangslage. meine allergischen reaktionen beschränken sich im wesentlichen auf die samstäglichen pakstationsabholer schlangen im briefzentrum. das könnte als kreuzallergie zum köttbullartheken-stau durchgehen und insofern eine übereinstimmung im dalli-dalli sinne sein. was meinst du?