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Archive for Januar, 2009

Variete trifft Tango.

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Seit dieser Woche weiß ich: Ich bin für das Tango tanzen bestimmt. Mich beeindruckt, wie in einer tangotanzenden Zweckgemeinschaft, der Mann scheinbar mühelos unbeteiligt seine Partnerin die ganze Arbeit auf dem Parkett machen lässt. Das gefällt mir. Das ist ein bischen wie mit der Tour de France und den Bergziegen: Dort ziehen die Bergspezialisten Ihren Kapitän 5000 oder so Kilometer den Berg hinauf und am Ende fährt der Captain als erster durchs Ziel. Nun muss ich zugeben, dass meine Tangoerfahrung - jetzt mal vom Parkett aus betrachtet - marginal ist. Manche sagen man könne das vernachlässigen. Seitdem ich diese Woche allerdings bei der tollen Show “Variete trifft Tango” im GOP einigen Herrschaften bei der Ausübung dieses Tänzchens mal über die Schulter schauen durfte, ist der Fall für mich völlig klar. Denn gelernt habe ich auch: Tango ist der vertikale Ausdruck eines horizontalen Verlangens! Wo sind denn jetzt verflixt nochmal meine rahmengenähten Tangoschuhe?!

Ein Glas Tee zum Glücklichsein.

Mir war irgendwie nach einem Glas Tee. Nicht nur aus einer Laune heraus. Nein. Erschöpft, von einer ausgiebigen Winterwanderung fragte mein müder Körper einen Ausgleich nach. Was gibt es Schöneres, als in einem solchen Moment in der Lage zu sein, etwas zurückgeben zu können. Ein wärmendes Warmgetränk. Zum Verwöhnen. Soviel Emotionalität, Verständnis und Intuition hat bayerische Wirtshaus-Bedienungen doch von jeher ausgezeichnet!

„Was für ein Tee darf es denn sein, der Herr?“ fragte mich die Frau, die ein bischen aussah wie Lia Wöhr im Blauen Bock von Heinz Schenk. Graues, geföhntes Haar, dreiviertel Puffärmel.


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Da es keine Karte gab, die darüber aufklärte, über welche erlesenen Teewaren wir uns austauschten, stellte ich eine geschickte Gegenfrage. „Was steht denn zur Auswahl?“ fragte ich Christa. Diesen Namen verriet mir die Hirschgeweihbrosche, die an Ihrer Bluse befestigt war. Achtung Auswärtige: Ein Hirschgeweih hat im Kontext: Bayerisches Voralpenland - Frau nix mit der Region um Steiß und Hintern zu tun.

„Schwarzer-, Pfefferminz-, Hagebutten-, Früchtetee.“

Pause.

Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass die Pause ein rhetorischer Anlauf für Mehr war. Das da noch was kommen würde. Sollte. Es war schließlich kein abschließendes „und“ gefallen. Der große Klopper konnte also noch kommen. Alle Chancen standen offen. Es folgte: Mehr Pause. Mehr Pause wagen, ging mir durch den Kopf.

Um Gewissheit über die Situation zu bekommen, entschloss ich mich mit einer hartnäckigen Anschlussfrage Christas Geduld auf die Probe zu stellen:
„Ist das alles?“
„Ja.“

Knapp, unzweideutig, bayrisch. Komisch, denke ich außerdem. Denn die Werbung informiert mich in regelmäßigen Abständen, dass es heutzutage Tees gibt, die Bedürfende in allerhand dolle Zustände versetzen: Fitness, Wellness, Glück, Wohlbefinden für Geist und Körper. Wie man hört, finden heute Beutel mit Pflanzenresten den ganzen langen Weg aus Afrika zu uns. Von Pfefferminze, Hagebutten und Früchten ist da eigentlich nie die Rede. Warum auch? Wer sagt schon zu sich: „Ach, was wäre ich jetzt gern ne Hagebutte! Ich fühl mich heute auch so wenig pfefferminzig, so fruchtlos.“

Ich verstand das „Ja“ nur zu gut. Schweinsbraten, helles Bier und Wandergäste aus Nordrhein-Westfalen – das sind keine archetypischen Synonyme für Fitness oder Wellness. Auch Glück sowie Wohl für Geist und Körper zählen wohl nicht zum engeren Kreis. Wenn das Herr Teekanne wüsste. Besser nicht. Denn, wie bitte schmeckt Rotbuschtee mit Schweinsbratenaroma? Das macht doch nicht glücklich! Viel lieber greife ich da zu einem schönen Hagebuttentee – aus garantiert direkter Jugendherbergsabfüllung. Pures Glück!

Dann brachte mir Christa noch die Rechnung. „Vielen Dank für Ihren Besuch. Montags Ruhetag.“ stand drauf. Dabei hätte ich am nächsten Montag zu gern ein Glas Tee getrunken.

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