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Archive for April, 2007

China_2007

24.04. - Peking

Die Dauergrinsenummer hier habe ich ja bereits verinnerlicht. Aber ich scheine trotzdem irgendwie aufzufallen. Chinesen unterstellen einem offensichtlich außerirdische Herkunft, wenn Ihnen Europäer begegnen. Das soll mich nicht stören - ich gehe gleich in der Königsdisziplin an den Start und fahre mit dem Fahrrad ( jaa, der Papa auf dem Drahtesel!) durch die Stadt. Ziel ist der Sommerpalast. Eventuell stellt sich aber auch der Weg als das Ziel heraus oder das Krankenhaus. Wer weiß. Mal sehen wie weit ich komme.

Ich habe meinen Fahrradführerschein ja in Amsterdam gemacht. Wenn das keine fundierte Ausbildung für die Straßen dieser Welt ist, weiß ich es nicht. Verkehrsregeln im klassischen - sprich: deutschen - Sinne, gibt es zunächst mal nicht. Eher kann man von illustriertem Darwinismus sprechen, wenn es zum Thema Verkehr kommt. Hier wird auch nicht deutsch gehupt sondern eher im gesellig-sozialen, ich will meinen: kontaktfreudigen, Sinne. Man macht sich der Welt gegenüber bemerkbar, man behupt sein bescheidenes Dasein als ein kleines Rädchen im Werk des lieben Herrn. Daher sollte man das Hupen eines rückwärtig heran nahenden Autos auch nicht persönlich und als ein Ertappen beim Übertreten eines allgemein anerkannten Verkehrsregelements nehmen. Bevorzugt ist es zu deuten als ein: “Hallo, ich bin hier unterwegs, bitte einmal an die Seite getreten, hier komme ich. Ist zwar Rot aber, aber ich schaue deshalb doch nicht - weder rechts noch links. Ich fahre. Paß doch auf!”

Sympathisch eigentlich. Das Pekinger Verkehrsballett. Präsentiert von Carsten Speck (der uns leider direkt nach der Ansage verlassen muß, nicht weil sein Flieger nach LA geht, sondern weil Sperrstunde in der JVA Tegel ist). Ich würde ja gern mal mit einem Harvard Professor an einer Pekinger Kreuzung stehen und dabei mit ihm über das Gefangenendilemma diskutieren.

China_2007

23.04. - Peking
Nach einer Winzigkeit von 11 Stunden meines Lebens - gepresst in eine Polstergarnitur mittlerer Bequemlichkeit und neben ein reizend unauffälliges Ehepaar aus Amerika - erreiche ich Peking. Das allerdings heißt mich Herzlich Willkommen, indem es mich auf direktem Weg in den Knast steckt. So jedenfalls, denke ich, gehts hier gleich weiter, wenn ich ich die Reaktion des Zollbeamten richtig deute. Ich hatte mich lediglich ordungs- und auch wahrheitsgemäß in die Nichts-zu-Verzollen-Reihe eingefügt und einen halben Schritt über die auf dem Boden angebrachte Linie gesetzt. Was ich allerdings versäumt hatte, war es, einen Zettel auszufüllen, der mich berechtigte eben diesen Schritt zu tun und genau hierauf wurde ich nun mit einer Arno Dobat-Trillerpfeife und wilden Gesten hingewiesen. So läuft das hier also. Nun hatte ich gar keine trocken Brot und Wasserkur gebucht. Also schön wieder ab hinter die Linie, Zettel ausfüllen und dann nochmal wiederkommen. Geht gut los.

Nach einstündiger Busfahrt beziehe ich ersteinmal mein Quartier im internationalen Gasthaus der Uni. Ein Blick aus dem Fenster überrascht mich dann schon. Der Blick wird verstellt durch einige Bürohochhäuser. Die Überraschung liegt darin, dass diese Kulisse genausogut im neuen Berlin oder Amerika stehen könnte. Die Hochhäuser werden von einem großen Deutsche Bank Schild sowie den bekannten bunten Google Buchstaben verziert. Wie ironisch, daß mir als Erstes meine Hausbank und Google über den Weg laufen - in einem Land, in dem das Bankensystem unterfinanziert ist, keine Pressefreiheit herrscht und das Internet zensiert wird.

An diesem ersten Tag besichtige ich noch die verbotene Stadt, den Platz des himmlischen Friedens und den benachbarten Beihai Park. Außerdem mache ich Bekanntschaft mit der U-Bahn und der Tatsache, dass hier beim Einstieg Zweikampfverhalten gefragt ist. Gelbe Karten aus taktischen Gründen akzeptiert der Trainer ohne Murren. Auch steht niergends geschrieben, dass zunächst Aus- und dann Eingestiegen wird.

Border ControlGoogleVerbotene Stadt

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Ich bin dann auch mal weg.

airport_peking.jpg

Heute reise ich nach Peking. Ich fliege!
Wenn man das Bild betrachtet, könnte man auch denken ich wolle aufbrechen nach Casablanca, Palma, Montego oder Moskau. Die Idee, mich könnte es nach Podgoric verschlagen, wird wohl der kühnste der Leser nicht unterstellen.

Peking also. Ich will 17 Tage Urlaub machen. Eigentlich erwarten mich 17 spannungsreiche Entdeckungen. Mir scheint, das ist die komodere Bezeichnung. Denn: Ein Land 17 Sonnenaufgänge lang zu “beurlauben”, ohne in der Lage zu sein “100 Gramm Mettwurst, bitte” zu sagen. Das kann ja lustig werden. Heijeijei.

Vielleicht lasse ich ja Haupt- und Barthaar freies Spiel. So wie einst Harald Schmidt bei seiner Kreativpause. Er musste beides dann ja kupieren, weil der ARD-Intendant Sorge trug, dass die Fern-Seher verschreckt und um den Schlaf gebracht werden könnten, ob dieses wilden Anblicks eines Late Talkers zu eben dieser Stunde. Ich bin gespannt wie Bolle, was die Reise mit mir machen wird. Jetzt bin ich kein Latenight Talker, jedoch verbleibt aus heutiger Sicht als brisanteste Frage, was mein Intendant wohl zu meiner Urlaubs-Frise sagen wird.

Jedenfalls: Ich bin dann erstmal weg.

Osterbotschaft

So. 13.00 uhr. ich bin zurück von der osterradtour. angrillen gabs noch nicht dieses jahr; andere sind noch im skiurlaub. aaber - die tour ist nich mehr lang hin - da läßt sich ulle schon wieder auf dem rad sehen. schön an der isar lang bis grünwald. während andere jetzt erst in den ostersonntag starten, kann ich noch in die andreas gursky ausstellung im haus der kunst. das ist der mann mit dem 99 cent bild (rechts), wo für schlappe 2,5 mio über den tisch gegangen ist. der mann auf dem bild links bin ich vor einem ausstellungswerbeplakat.

gursky_muc.jpg

für alle die den ostergottesdienst verpaßt haben, will ich hier noch kurz die osterbotschaft des papstes zusammenfassen. alles wurde mir auf dem rückweg meiner radtour klar, die mich am thalkirchener zoo vorbeiführte. die frage ist die: was ist das, mit leuten, die bereits deutlich dem kindesalter enteilt sind, aber an der stelle stehen bleiben, wo man von oben auf das schaafs gehege gucken kann und dabei einen massenauflauf provozieren - genau so einen, dass alle vorbeifahrenden radfahrer einen großen bogen um die menschentraube machen müssen. was ist das, mit Leuten, die sich dergestalt - mit einem kostenlosen blick auf drollige, mitteleuropäische vierbeiner - den ostersonntag versüßen?
wie muß ich mir das bitte vorstellen? ich stell mir sowas ja immer gerne vor. Nicht zuletzt um fliegereskes verständnis zu entwicklen. Vielleicht hat ja jemand eine Antwort.

Sie: “Heinz, wir waren so lange nicht im Zoo.”
Er: “Hmhm.”
Sie: “Im Zoo hat es Dir doch auch immer gut gefallen. Besonders an Ostern.”
Er: “Oh ja.”
Sie: “Ich erinnere mich noch wie wir mit Katschmareks im Zoo waren. Ach war dat schön.”
Er: “Jahaa. Dat war schön.”
Sie: “Heinz, wollen wir nicht heute in den Zoo? Wo Ostern ist. Man kommt ja sonst nicht dazu.”
Er: “Prima Idee. Dann stellen wir uns an das Schaafs Gehege, wo man von oben runtergucken kann und keinen Eintritt zahlen muß und die Radfahrer müssen außen rum fahren.”
Sie: “Oh, Heinz. So schön war Ostern noch nie!”

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