Die Foo Fighters rocken festlich den Chiemsee.
August 24th, 2011Es ist brütend heiß und schon als ich aus dem Zug stieg, schwirrte mir diese eine Frage im Kopf herum. Was machen Rockstars VOR einem Festival Auftritt in den Bayerischen Voralpen am Chiemsee? Die Frau in der Bäckerei hatte eine interessante Antwort parat: „Mir ham a Campingplatzerl, schaun’s da a mal.“ Nun, ich bin nicht sicher, wer hier wen ordentlich verarscht. MEINE Frage war durchaus von aufrichtigem Charakter.
Es ist offensichtlich. Die Foo Fighters sind KEINE Band, die das Spielen auf der Bühne abwarten will. Um 20 Uhr 45 geht es los. Keine weitere Viertelstunde verstreicht, um etwa vorzutäuschen, man sei noch gar nicht da. Nein. Die Jungs wollen. Die WOLLEN spielen. Bridge Burning und Rope vom neuen Album Wasting Light eröffnen laut und temporeich. Rope verschmelzt dann mit einer energiereichen Live-Version von Pretender. Are you ready? Die Foo Fighters sind NICHT wie die Anderen. Sie haben einen Helden. Die Foo Fighters SIND Dave Grohl. Er ist seine eigene Bühne. Er ist sympathisch, unterhaltsam. Dave Grohl legt gleich zu Beginn Laufwege zurück – er könnte damit beim Deutschen Fussball Meister Borussia Dortmund problemlos standhalten. Rockmusik als Laufsport. Er ist erfrischende Energie. Auf der Leinwand erscheint ein Bild, eingefangen von der Bühnenkamera. Dave Grohl ist von hinten zu sehen. Die Finger umschließen die Gitarre, wie die kleine Hand eines Kindes den Finger des Vaters. „Teufelskerl“, der Name eines Standes auf dem Festivalgelände, ist im Hintergrund und direkt über ihm zu lesen. Ein Kerl, nachdem die Damen Ausschau halten. Ob der verheiratet sei, fragt eine Frau in der Nähe der Bühne. Nein. SINGLE. Seit vierzig Jahren.
Als die Menge „There goes my hero“ singt, wirft Dave Grohl mit einer italienisch anmutenden Finger-Geste Küsse zurück nach unten. Ja, ein Teufelskerl, mit Band. Die er anschließend vorstellt. Ein verlängertes „Hiiiiiiii….!“ und die anschließende Resonanz des Publikums ringt ihm ein anerkennendes „Oh F***…!“ ab. Die ersten Reihen skandieren „Taylor, Taylor“ und Grohl geht auf die Knie, um mit Auf- und Ab-Bewegungen des Oberkörpers Drummer Taylor Hawkins stellvertretend anzubeten. Anschließend dreht sich Grohl fassungslos um und sagt mit verzweifelter Stimme und in Falten gelegter Stirn: „It’s a Drummer who sings!“ Grohl SPIELT auf der Bühne. Mit Ironie. Mit Mimik. Mit Gestik. Mit Pausen. Mit Laut. Mit Leise. Mit dem Publikum. Mit seiner Präsenz. Mit Musik. Es ist KEINE Wembley Performance, weil das Gespielte später auf DVD muss, weil man das verkaufsförderlich verwerten MUSS. Nein. Die Band spielt leidenschaftlich MUSIK, weil es ihr SPASS macht. OHNE Elektronik. Wir sind Menschen, die Gitarren spielen. „I love that“. Ich auch.
Bei Breakout versagt die Textsicherheit der Zuhörer. Bei Stacked Actors beginnt die Band frei zu JAMMEN, Grohl und Chris Shiflett liefern sich einen Guitar Hero Battle und schließlich nehmen alle aus der Band den Faden wieder auf, um den Song nach mehreren Minuten nach Hause zu bringen. Das macht Spaß. Es folgen zwei Solo-Songs in akustiger Version. Wheels und Times Like These. Wheels MUSS Dave Grohl SOLO vortragen. Es ist Weihnachtsabend. Es werden Lieder vorgetragen. Dave ist an der Reihe. Denn es gibt nur EIN Publikum auf der Welt, das dabei zuhört. Morgen müsse man nach Frankreich. Pah! Lust habe er auf DIE nicht, er müsse aber hin. Und genau deshalb spielt er nun DIESEN Song. And nothing mattered anymore. I looked into the sky.
All My Life, Skins And Bones und Everlong machen den Abschluss. Und das ist gut so. Die Fallhöhe ist GROSS. Von: Bühne stürmen, hin zu: in den Arm nehmen. Vom fünften Gang zurück in den Ersten. Skins And Bones zaubert eine zauberhafte Wohlfühl-Stimmung hervor, bevor es mit Everlong wieder in den fünften Gang und dem nötigen WOW-Effekt in den Feierabend geht.
Ich weiß nicht, was Rockstars nach einem Festival Auftritt am Chiemsee machen und habe heute auch nicht herausgefunden, was sie davor tun. Ich habe aber entdeckt, was die Foo Fighters auf der Bühne SCHAFFEN: Sie geben das BESTE und fordern jedem Zuhörer Gleiches ab. Best of You. Is someone getting the best of you?
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